Der Innenangriff gehört sicherlich zu den gefährlichsten Einsätzen der Feuerwehr. Wenn es hier zu Unfällen kommt, gehen diese meistens tödlich aus. Daher sollte sich jede Feuerwehr und besonders jeder Atemschutzgeräteträger intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Neben der Schutzbekleidung kommt es auch auf die richtige Wahl der Gerätschaften , ein vorausschauendes Vorgehen und die Löschtaktik an.
die Wahl des Löschgerätes:
Als erstes steht die Wahl des Löschgerätes an. Wenn es sich um
einen Innenangriff handelt, sollte vom Einsatz des Schnellgriffs abgesehen
werden, da dieser einige Gefahren mit sich bringt. Die Schnellangriffsleitung
neigt zu starkem verdrillen, wodurch sich der Schlauch nur schwer nachziehen lässt.
Da die Ummantelung aus Gummi ist, ist die Reibung an Ecken und Kanten besonders
groß, was das Nachziehen des Schlauches noch einmal erschwert. Nicht zu
vernachlässigen ist auch die Wassermenge, die in dem Schlauch mitgeschleppt
wird.
Eine gute Möglichkeit, die keinen Zeitnachteil im Vergleich mit dem
Schnellangriff mit sich bringt, ist der Schnellangriffsverteiler. Dieser besteht
aus einem Verteiler mit einem fertig angeschlossenen B-Schlauch. Dieser ist
schnell aus dem Fahrzeug herausgenommen und angekuppelt. Mit einem
Schlauchtragekorb wird dann der Schlauch für den Angriffstrupp verlegt.
Hier kann man noch einmal Gewicht und damit Zeit sparen: Der normale
C-52-Schlauch ist zwar schon leichter als der Schnellangriff zu handhaben,
allerdings ist auch sein Gewicht nicht zu unterschätzen. Wenn man den etwas
kleineres C-42-Schlauch nimmt, ist dieser schon einiges leichter und das
Strahlrohr ist leichter zu handhaben, da der Schlauch nicht so starr ist.
Die einfachste Möglichkeit ist jedoch die Benutzung eines D-Schlauches mit
einem D-Hohlstrahlrohr. Der D-Schlauch wiegt nur 1/4 des C-Schlauches, ist
einfacher zu handhaben, wendiger und bringt im Endeffekt fast die gleiche Menge
Wasser wie der C-Schlauch. Die Feuerwehr Frankfurt hat hierzu eine Versuchsreihe
durchgeführt, die diese Angaben belegen.
www.stadt-frankfurt.de/feuerwehr
Er bringt für die Atemschutzgeräteträger die geringste Belastung mit sich.
vorausschauendes Vorgehen:
Bereits vor dem Eindringen in das Gebäude sollte sich der Atemschutztrupp über die Lage informieren. Wie groß ist das Gebäude, reicht die vorhandene Schlauchlänge aus, wo liegt der Brandherd, wo sind eventuell noch im Gebäude befindliche Personen zu finden, wo liegen besondere Gefahren im Gebäude, wie brennt das Feuer? Ist eventuell mit einem Flashover oder Backdraft zu rechnen? All das sind Fragen, die das taktische Vorgehen beeinflussen können.
Bevor der Trupp das Gebäude betritt, sollte er die Außentür, wenn diese verschlossen ist, ohne Handschuh abtasten, denn wenn diese heiß ist, ist das ein ziemlich sicheres Anzeichen für eine Rauchdurchzündung. Dann hilft folgendes: Die Tür wird kurz geöffnet (aus der Deckung heraus), um mit dem Strahlrohr mehrere Stöße Wasser unter die Raumdecke zu geben. Dann wird die Tür wieder geschlossen und das ganze ein bis zweimal wiederholt. Damit werden die Rauchgase abgekühlt, um eine Durchzündung zu verhindern.
Der Trupp sollte immer auf den Knien vorgehen oder sich auf das rechte (wahlweise das linke) Bein setzen und mit dem anderen Fuß vortasten und so im Seitwärtsgang vorkriechen, da unten die geringste Hitze ist und die Sicht am besten ist. Des Weiteren sollte er immer an der Wand entlanggehen, wenn die Sicht durch Qualm behindert ist, da die Orientierung in einem großen Raum schnell verloren geht. Besonders tückisch sind in diesem Zusammenhang Keller mit Holzwänden zwischen den einzelnen Parzellen, denn wenn diese hinter dem Trupp aufbrennen, steht er plötzlich im freien Raum, auch wenn er immer an der Wand entlang gegangen ist.
Wenn sich der Trupp in ein höheres Stockwerk begibt, muss er sich im klaren sein, dass die Decke einbrechen kann, wenn es unter diesem Stockwerk brennt, hier ist besonders gründliches Vortasten notwendig.
Gefährlich können auch zuschlagende Türen sein. Der Trupp ist
zwar in den meisten Fällen durch einen Schlauch gesichert, der die Tür
aufhalten kann, doch ein Beispiel bringt oft mehr als tausend Worte:
Bei einem Brand in einem Altenheim mit geschlossener Abteilung ging ein Trupp
zur Menschenrettung ohne Schlauch vor. Die Fenster waren vergittert, beim
Vorgehen wurde die nur von außen zu öffnende Tür gesichert, beim Rückzug
gingen zwei von drei Kameraden durch die Tür und machten diese wieder zu, um
dem Feuer wenig Sauerstoff zu geben, in der Annahme, der dritte Kamerad sei
bereits draußen, Wenig später bemerkten sie, dass dieser noch nicht draußen
war und konnten ihn retten. Durch die vergitterten Fenster der geschlossenen
Abteilung hätte er keine Chance gehabt.
Hier können Holzkeile hilfreich sein, die jeder Atemschutzgeräteträger an
seinem Helm hinter die Befestigung des Visiers stecken kann und im Notfall so
griffbereit hat.
die Löschtaktik:
"Brand gelöscht, Haus weggeschwommen" ist ein oft gehörter Kommentar, und leider ist der Wasserschaden oftmals größer als der bei einem Zimmerbrand durch Rauch und Flammen entstandene Schaden. Das lässt sich nicht immer vermeiden, aber doch eingrenzen. Ein großer Schritt sind hier die Hohlstrahlrohre. Die Wassermenge lässt sich Stufenlos regulieren, der stufenlos einstellbare Sprühstrahl hat eine bessere Löschwirkung als der Vollstrahl und die Mannschutzwirkung ist größer.
Die neuen Hochdrucklöschgeräte sind hier zwar was die Wassermenge angeht von Vorteil, da diese mit nur 10 Litern einen Zimmerbrand löschen, aber bei diesen hat man wieder den Nachteil des Schnellangriffes. Daher eigenen sich Hochdrucklöschgeräte nur bedingt für den Innenangriff.
Eine weitere Möglichkeit sind so genannte Fog-Nails, zu deutsch Nebelnägel. Mehrere auf einer Platte befestigte Nägel, die innen hohl sind und vorne und an den Seiten kleine Löcher haben, werden auf dieser Platte durch eine geschlossene Tür, hinter der es brennt, mit dem Hammer getrieben. Dann werden die Nägel an einen Schlauch angeschlossen und das Feuer hinter der Tür wird durch den Wassernebel gelöscht, ohne dass der Atemschutztrupp den Raum betreten muss. Dieses System eignet sich aber nur für Brände, bei denen man den Brandort genau lokalisieren kann.
Wenn man durch einen längeren Gang zum Brandherd vordringen muss, kann der Sprühstrahl eines Strahlrohres sehr hilfreich sein. Wenn der Gang verqualmt ist, kann der Qualm mit dem Sprühstrahl nach vorne gedrängt werden. So ist die Sicht hinter einem frei und der Brandherd kann schnell lokalisiert werden, wenn der Qualm hinter einem aus einem Raum oder einer Öffnung dringt.
abschließende Hinweise:
Bei den heute verwendeten Baustoffen entstehen bei einem Brand eine große Anzahl an Toxinen und Radikalen, die hochgiftig und krebserregend sind. Das Tragen von Atemschutz sollte bei Innenangriffen Pflicht sein und selbst, wenn das Feuer schon gelöscht ist und der Raum rauchfrei ist, befinden sich noch so viele Giftstoffe in der Luft, dass der Raum nicht ohne Atemschutz betreten werden sollte.
Ein tödlicher Atemschutzunfall in einer deutschen Feuerwehr vor
einiger Zeit soll hier die Unsichtbarkeit von solchen Atemgiften demonstrieren:
Ein Feuerwehrmann war aus dem verqualmten Bereich gegangen und hatte die Maske
abgesetzt, zum besser funken zu können. Er befand sich im Treppenhaus. Dies
hatte eine Kaminwirkung, durch die hochgiftiges, geruchsarmes, nicht sichtbaren
Kohlenmonoxides (CO) in hoher Konzentration den Raum füllte. Der Feuerwehrmann
starb wenig später im Krankenhaus.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie schnell die Gefahren des Innenangriffes zu
unterschätzen sind. Daher sollte für jeden Feuerwehrmann gelten:
Niemand hat eine Sonderlunge, auch nicht Führungskräfte!
Atemschutz wird vor dem Gebäude aufgesetzt und erst hier wieder abgesetzt!